Pfandraising Wuppertal: 10.000 Euro für den guten Zweck

Studentische Initiative zieht Bilanz, gründet einen gemeinnützigen Verein und finanziert einen Arbeitsplatz in der Flüchtlingshilfe.

Bis kurz vor Interviewbeginn hauen Laura Krämling und Racel Bosbach in die Tasten ihrer Notebooks. Organisieren, telefonieren und die Schichten für das Ölbergfest besetzen – die Planungen laufen auf Hochtouren, wie Laura berichtet: „Wir halten das Fest glasfrei. Dafür richten wir drei Sammelstationen ein, an denen Gäste ihre Flaschen abgeben können. Die Pfandeinnahmen werden wieder einem guten Zweck gewidmet.“ Um das zu stemmen, hat das Pfandraising-Team 20 HelferInnen mobilisiert. Zudem werden die Sammelstationen aus 200 leeren, von Akzenta bereitgestellten Getränkekästen gebaut. Diese Aktion ist nur eine von vielen Neuigkeiten.

Das Pfandraising-Team in Aktion © Pfandraising Wuppertal

Die studentische Initiative wird ein gemeinnütziger Verein

Pfandraising darf schon bald das Kürzel e.V. (eingetragener Verein) hinter seinem Namen tragen. Die Gründungsveranstaltung haben die zehn Vereinsmitglieder kürzlich hinter sich – der Kreis der Aktiven zählt mittlerweile rund 20 Personen. „Wuppertals Oberbürgermeister Andreas Mucke ist zudem Schirmherr von Pfandraising“, verkündet Racel sichtlich stolz. Mit der Vereinsgründung kann Pfandraising bald Spendenquittungen ausstellen und offiziell neue Mitglieder aufnehmen – bspw. auch Fördermitglieder, also Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen, die den Verein regelmäßig finanziell unterstützen. Zudem bahnen sich bereits weitere Kooperationen an.

Pfandraising-Sammelcontainer im gesamten Stadtgebiet

Eine dieser Kooperationen könnte beispielsweise mit der Barmenia zustande kommen, deren Wuppertaler Zentrale erster Standort für die vom Verein geplanten Sammelcontainer sein könnte. „Im Rahmen eines Industrial Design Seminars konzipieren Studierende derzeit mögliche Container“, so Laura. Geplant ist, die komplette Entwicklung und Umsetzung samt anschließender, regelmäßiger Leerung durch den Verein sicherzustellen. „Die Unternehmen hingegen finanzieren den Container“, erläutert Racel das Konzept. Weitere Standorte wie beispielsweise das Wuppertaler Rathaus in Barmen, die AStA-Ebene an der Universität oder Schulen im Stadtgebiet kommen ebenfalls in Frage. Am Berufskolleg an der Werther Brücke läuft das Pfandsammeln bereits ohne Container. „Ein engagierter Lehrer hat mit uns Kontakt aufgenommen, da ging die Umsetzung ganz fix“, freut sich Laura. Durch Spenden, regelmäßigen Sammelaktionen (die Initiative holt weiterhin alle zwei Wochen Pfand aus Privathaushalten ab) und den erwähnten Sammelstellen sind bereits rund 10.000 Euro zusammengekommen, die primär Sprachkursen für geflüchtete Menschen zugutekommen.

Pfandraising Wuppertal präsentierte sich während Sustainable Insights in der Elba-Halle. Die Theke wurde von Weinquelle Hornig gestiftet. Auf dem Bild (v.l.n.r.) Laura Krämling, Wuppertals OB Andreas Mucke und Racel Bosbach

Mitarbeiterin und eigene Kurse – Kooperation mit alpha e.V.

Mit alpha e.V. organisiert Pfandraising eigene Deutschkurse speziell für geflüchtete Frauen. „Um diese und die acht ehrenamtlich tätigen Lehrenden – allesamt Lehramtsstudierende – zu organisieren, haben wir gemeinsam mit alpha eine Koordinationsstelle geschaffen und finanzieren diese zum Teil“, skizziert Laura die Kooperation.
„Wir fördern auch andere Projekte: Soziale Initiativen und Institutionen im Tal können gerne auf uns zukommen – in der Vergangenheit haben wir zum Beispiel auch Sprachkurse der Amnesty Hochschulgruppe finanziell unterstützt. In Kürze erhält auch das Wuppertaler Frauenhaus eine Spende über mehrere Hundert Euro von uns“, führt Racel aus.

Seit September 2015 viel bewegt

Ölbergfest, Vereinsgründung, zahlreiche Kooperationen, viele Aktionen – wer Pfandraising Wuppertal näher betrachtet, merkt, dass die Beteiligten viel Engagement, Begeisterung und Herzblut in ihr Projekt investieren. Bemerkenswert ist dabei vor allem: Die Initiative ging erst im September 2015 an den Start und hat sich innerhalb von acht Monaten zur festen Größe in der Wuppertaler Flüchtlingshilfe entwickelt. Um noch mehr bewegen zu können, sucht der Verein stets nach neuen Mitgliedern. Wer ebenfalls bei Pfandraising Wuppertal einsteigen will, meldet sich per Webpage oder Facebook bei der Initiative. „Es gibt viel zu tun, doch stimmt intern die Chemie. Uns verbinden nicht nur der gute Zweck sondern auch die entstandenen Freundschaften“ so Laura und Racel unisono. »mw«

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