Geistig fit bis ins hohe Alter

Seit über 30 Jahren bietet die Bergische Universität Wuppertal das „Studium für Ältere“ an. In diesem Studium können sich Interessentinnen und Interessenten mit sozial- und geisteswissenschaftlichen Fragen auseinandersetzen. Wir haben mit der Diplompsychologin Christine Schrettenbrunner, der Koordinatorin des Studiums für Ältere im Zentrum für Weiterbildung (ZWB), gesprochen und uns das „Studium für Ältere“ erklären lassen.

Titelfoto: Studium für Ältere © Christine Schrettenbrunner

Bergische Universität Wuppertal bietet „Studium für Ältere“ an

Redaktion: „Frau Schrettenbrunner, was zeichnet das ‚Studium für Ältere‘ an der Uni Wuppertal aus?“

Christina Schrettenbrunner: „Senior-Studierende haben mit dem ‚Studium für Ältere‘ einen Zugang zur wissenschaftlichen Weiterbildung. Das Studium wird durch eine Studienordnung strukturiert und ermöglicht am Ende auch eine Abschlussarbeit. Im Gegensatz zum Bachelor müssen Senior-Studierende weniger Leistungen erbringen und auch die Abschlussarbeit hat einen geringeren Umfang als eine Thesis – jedoch die gleichen Qualitätsansprüche. Zum Studienabschluss erhalten die Absolventinnen und Absolventen während einer Feier in der Historischen Stadthalle auch ein Hochschulzertifikat überreicht.“

Redaktion: „Welche Fächer können Senior-Studierende belegen?“

Christina Schrettenbrunner: „Senior-Studierende können primär aus Fächern der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften wählen. Dazu gehören Fächer wie Theologie oder Politikwissenschaft. Das heißt jedoch nicht, dass ihnen die Ingenieurs- und Naturwissenschaften verschlossen bleiben. In den drei zuvor genannten Wissenschaftsbereichen, die insgesamt elf Kernfächer beinhalten, ist das Angebot am größten.“

Die Seniorstudierenden wählen mindestens zwei der folgenden Fächer aus: Allgemeine Literaturwissenschaft, Evangelische oder katholische Theologie, Geografie, Geschichte, Pädagogik, Philosophie, Politikwissenschaft, Psychologie, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft.

Redaktion: „Sind das dann spezielle Kursangebote für Senior-Studierende?“

Christina Schrettenbrunner: „Nein, Senior-Studierende belegen die gleichen Kurse wie jüngere Bachelor-Studierende. Lediglich im ersten Semester, das der Orientierung dient, findet ein von mir geleitetes Begleitseminar statt, an dem ausschließlich Senior-Studierende teilnehmen können. In diesem vermittle ich grundlegendes Wissen zum wissenschaftlichen Arbeiten und zur Recherche.

Redaktion: „Wie ist das ‚Studium für Ältere‘ grundsätzlich aufgebaut?“

Christina Schrettenbrunner: „Das Studium ist auf sechs Semester ausgelegt. Im ersten Semester findet die soeben geschilderte Orientierung statt. In den vier anschließenden Semestern belegen die Studierenden ihre Fächer und erwerben Leistungsnachweise, beispielsweise durch Klausuren, Referate, mündliche Prüfungen und schriftliche Arbeiten. Im letzten Semester, frühestens im sechsten, wird dann unter Betreuung einer oder eines hauptamtlich Lehrenden eine Abschlussarbeit angefertigt.“

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Redaktion: „Wie viele Senior-Studierende sind derzeit an der Bergischen Universität eingeschrieben?“

Christina Schrettenbrunner: „Wir haben rund 130 Senior-Studierende. Dazu kommen noch etwa 150 Gasthörerinnen und Gasthörer, die meist auch im höheren Alter sind. Letztere dürften zwar auch universitäre Veranstaltungen besuchen, jedoch im Gegensatz zu Studierenden im ‚Studium für Ältere‘ keine Prüfungen ablegen und keine Abschlussarbeit verfassen. Erwähnt werden sollte auch, dass es keine festgeschriebene Altersgrenze gibt, sondern eine Selbsteinschätzung gilt. In der Regel sind alle älter als 50, die meisten Anfang bis Mitte 60.“

Redaktion: „Mit welcher Motivation wird das ‚Studium für Ältere‘ belegt?“

Christina Schrettenbrunner: „Manche möchte andere Fächer studieren als in einem früheren Studium, andere konnten in jungen Jahren kein Studium beginnen und möchten es jetzt nachholen. Ein Studierender beispielsweise war in seinem Berufsleben als Stadtplaner tätig und wollte im Ruhestand geistig aktiv bleiben und sich tiefgehend über interessante Themen informieren, weitgehender als die tägliche Literatur der aktuellen Presse. Deshalb hat er Politikwissenschaft studiert und kürzlich seine Abschlussarbeit vorgelegt, die er auch auf der Absolventenfeier vorgestellt hat. Eine weitere Studierende konnte in ihrer Jugend aus finanziellen Gründen nicht studieren und hat sich seinerzeit beruflich qualifiziert und anschließend gearbeitet. Nach Ende der Berufsphase erfüllt sie sich nun mit dem ‚Studium für Ältere‘ ihren damaligen Wunsch eines Hochschulstudiums.“

Absolventenfeier 2018 © Christine Schrettenbrunner

Redaktion: „Also haben jetzige Senior-Studierende nicht zwangsläufig einen akademischen Hintergrund?“

Christina Schrettenbrunner: „Nein, etwa die Hälfte unserer Senior-Studierenden haben früher einen Beruf mit akademischer Qualifikation ausgeübt. Meist sind Männer die höher qualifizierten Senior-Studierenden, weil Frauen damals keinen guten Zugang zu höheren Bildungsabschlüssen hatten. Es gibt etwa gleich viele Frauen wie Männer unter den Teilnehmern. Zudem ist es so, dass diejenigen, die einen akademischen Abschluss haben, im ‚Studium für Ältere‘ oft ein anderes Fach belegen. Ärzte, Ingenieure oder Chemiker zieht es in die Geisteswissenschaften. Da ist vor allem das Fach Geschichte sehr beliebt.“

Redaktion: „Welche universitären Angebote können Senior-Studierende außerhalb des ‚Studiums für Ältere‘ nutzen?“

Christina Schrettenbrunner: „Beinahe alle, die auch den jüngeren Studierenden offenstehen. Senior-Studierenden können die Mensen und Cafeterien des Hochschul-Sozialwerkes auf dem Campus besuchen. Sie können auch die Universitätsbibliothek nutzen oder sich technische Geräte im Zentrum für Informations- und Medienverarbeitung (ZIM) ausleihen und auch Vorträge und Veranstaltung außerhalb des Studienplans besuchen. Die meisten verbringen die freie Zeit in der Bibliothek und sind sehr sorgfältig in der Vor- und Nachbereitung von universitären Veranstaltungen. Darin investieren sie viel Zeit und Fleiß.“

Studium für Ältere © Christine Schrettenbrunner

Redaktion: „Wie nehmen Senior-Studierende ihr Studium wahr?“

Christina Schrettenbrunner: „Sie sind sehr froh, dabei zu sein. Es ist nicht nur die fachliche bzw. wissenschaftliche Seite, die sie reizt. Über das Studium entstehen neue Freundschaften, die oftmals in eigene Initiativen münden. So haben wir beispielsweise einen philosophischen Zirkel, der sich regelmäßig außerhalb der Universität zur Diskussion trifft. Zudem organisiert eine Gruppe regelmäßig Exkursionen zu historischen Städten mit Referaten und Museumsbesuchen. Außerdem belebt der Meinungs- und Gedankenaustausch zwischen Senior-Studierenden, unseren jüngeren Studierenden und den Dozierenden viele Seminare und Vorlesungen. Viele bleiben auch nach dem Abschluss, nicht wenige studieren auch einfach so und streben gar nicht eine Zertifizierung an. Beides ist völlig in Ordnung. Zum Teil belegen sie schon ihr drittes und viertes Fach oder vertiefen sich völlig in ein einzelnes Fach. Sie sind, wenn man so will, die etwas anderen Langzeitstudierenden.“

Das Gespräch führte Martin Wosnitza. »mw«

Der Beitrag erschien erstmals in der HAUSPOST (01/2019), dem Magazin des Seniorenzentrums Lutherstift.

Informationen zum ‚Studium für Ältere‘

Das Studium für Ältere kann nur im Wintersemester begonnen werden! Es wird eine Gebühr von 100 Euro pro Semester bzw. Halbjahr erhoben. Eine Hochschulzugangsberechtigung (Abitur) ist nicht erforderlich. Studierende im ‚Studium für Ältere‘ haben eine sogenannte ‚besondere Gasthörerschaft‘ und können Prüfungsleistungen ablegen und ein Hochschulzertifikat erhalten.

Interessentinnen und Interessenten, die bereits zum Sommersemester die Universität besuchen möchten, können sich für eine normale Gasthörerschaft einschreiben und so an fast allen universitären Veranstaltungen teilnehmen, jedoch keine Prüfungen ablegen.

Für Rückfragen steht Dipl.-Psych. Christine T. Schrettenbrunner, die Koordinatorin des Studiums für Ältere im Zentrum für Weiterbildung (ZWB), gerne zur Verfügung. Zudem finden regelmäßig Informationsveranstaltung zum ‚Studium für Ältere‘ an der Universität statt.

Kontaktdaten:

  • Ansprechpartnerin: Dipl.-Psych. Christine T. Schrettenbrunner
  • Raum: Campus Grifflenberg, Gebäude P, Ebene 08, Raum 08 (P.08.08)
  • Sprechzeiten: Montag von 11 bis 12 Uhr
  • Telefon: 0202 439-3255 | Fax: 0202 439-3149 | E-Mail: senstud@uni-wuppertal.de
  • Webseite: www.zwb.uni-wuppertal.de

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