„Überbrückungshilfe“ für Studierende stößt auf geteiltes Echo

Im „Corona“-Semester sind viele Studierende mit der Frage konfrontiert, wie sie ihr Studium finanzieren.

Titelbild: Pleite im Corona-Semester? © mw

Drei von vier Wuppertaler Studierenden sind laut Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes (DSW) aus 2016 berufstätig und verdienen rund 400 Euro im Monat. Viele sind in der Gastronomie oder Nachhilfe tätig. Aufgrund der Krise können sie kaum arbeiten. Laut StudyDrive, einer privaten Online-Lernplattform, ist die Studienfinanzierung das derzeit am meisten diskutierte Thema auf der Plattform.

KfW-Darlehen soll eine „Überbrückungshilfe“ für Studierende sein

„Wir dürfen nicht zulassen, dass die Corona-Pandemie Studierende in den Abbruch ihres Studiums treibt“, erklärte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek kürzlich. Deshalb hat ihr Ministerium eine „Überbrückungshilfe“ für Studierende verabschiedet. Diese beinhaltet ein zinsloses Darlehen über 650 Euro im Monat bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Zusätzlich sollen 100 Millionen Euro an die Studierendenwerke fließen.

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Studierendenwerke erhalten Zuschüsse für nicht rückzahlbare Nothilfen

„Bildungsministerin Karliczek hat sich sehr lange Zeit gelassen, um Studierenden mit Sofortmaßnahmen zu helfen. Erfreulich ist, dass den Studierendenwerken nun doch noch Zuschüsse für nicht rückzahlbare Nothilfen zur Verfügung gestellt werden sollen. Wie viele Studierende in dieser Situation das zinslose Darlehen beantragen werden, bleibt abzuwarten“, kommentiert Fritz Berger, Geschäftsführer des Hochschul-Sozialwerks Wuppertal.

Uni-Rektor Koch: Bei zügiger Umsetzung „können wir erst mal zufrieden sein.“

Gerade für die 100 Millionen Euro haben sich laut Uni-Rektor Lambert T. Koch die Universitäten „sehr nachdrücklich eingesetzt, weil uns die Stärkung der Darlehenskomponente des ‚Hilfspakets‘ als nicht ausreichend erschien.“ Der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz NRW zeigt sich enttäuscht über die langen Verhandlungen zwischen Ministerium und DSW. Doch sofern die Umsetzung zügig erfolgt, „können wir erst mal zufrieden sein.“

Landes-Asten-Treffen (LAT NRW) ist die Hilfe „eine Mogelpackung“

Für das Landes-Asten-Treffen (LAT), der Studierendenvertretung in NRW, dem auch der Wuppertaler AStA angehört, ist die Hilfe „eine Mogelpackung“ – gerade in puncto Zinsfreiheit. „Die Zinsen, die der Bund bis März 2021 übernimmt, betragen maximal 152,65 Euro“, rechnet LAT-Koordinatorin Katrin Lögering aus. Danach müssten Studierende die Zinslast alleine tragen. Zudem kritisiert sie, dass Studierende über dem 10. Semester, oder jene mit laufenden Studienkrediten, keine „Überbrückungshilfe” erhalten, wodurch sie durchs Raster fallen würden – wie Lehramtsstudentin Nina Hilbert. Sie arbeitet freiberuflich in der Berufsorientierung und in den Ferien bei einer Event-Agentur. Beide Jobs seien nun weg, BAföG bekomme sie nicht. Es bleibe ein Darlehen beim Jobcenter: „Schulden bleiben Schulden, sie müssen beglichen werden, was ohne Jobperspektive unmöglich ist.“ Lediglich ein Fond des Sozialwerkes habe ihr helfen können, was aber bloß ,,ein Tropfen auf den heißen Stein“ sei. »mw«

Dieser Artikel erschien auch in der Ausgabe der Westdeutschen Zeitung vom 18. Mai 2020.

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