Zweifel am Studium: „Wo wollte ich noch mal hin?“

Wer hat nicht schon mal an seinem Studium gezweifelt? Manche fühlen sich bereits im ersten Semester fehl am Platz, anderen wächst mittendrin alles übern Kopf. Die Gründe dafür können auch jenseits der Universität liegen. Doch erhalten (ver-)zweifelnde Studierende jetzt zusätzliche Unterstützung. Ihnen stehen nun Katja Schanetzky (42) und Jennifer Abels (40) helfend zur Seite. Über das Uni-Projekt "bergauf" bieten sie Orientierung und zeigen Möglichkeiten auf.

Jennifer Abels (l.) und Katja Schanetzky (r.) © Denise Coriandoli

„bergauf“ soll Studienabbrüche verringern

„Das Angebot resultiert aus einem Landesprogramm, für das sich die Bergische Universität mit einem eigenen Konzept erfolgreich beworben hat. Ziel ist es, Studienabbrüche zu verringern und Studienzweifler zu unterstützen, so dass diese entweder zu Ende studieren können oder eine berufliche Perspektive abseits der Universität finden“, erklärt Dr. Christine Hummel, Leiterin der Zentralen Studienberatung (ZSB), in der das Projekt angesiedelt ist. Die Zielgruppe sei dabei sehr heterogen, wie Hummel ausführt: „Manche fühlen sich in den ersten beiden Semestern komplett falsch, falsch im Fach oder haben sich unter Universität etwas anderes vorgestellt. Dann gibt es Studierende, die aus familiären oder finanziellen Gründen längere Zeit nicht mehr an der Universität waren und den erneuten Einstieg suchen. Sehr verzweifelt sind vor allem diejenigen, die entweder im letzten Versuch einer Prüfung stecken oder gar schon ‚rausgeprüft‘ wurden.“

So vielseitig die verschiedenen Probleme und Hintergründe sind, so individuell müssen auch die Lösungsansätze sein. Dafür sind nun Jennifer Abels und Katja Schanetzky da. Schanetzky war vor ihrem Studium als Krankenschwester tätig und ist jetzt Diplom-Psychologin. „Mich haben die Arbeitsumstände sehr gestört und ich wollte noch mal etwas Neues lernen“, erklärt sie ihre Beweggründe. Nach beruflichen Zwischenstationen, wie in einer Einrichtung zur beruflichen Rehabilitation von psychisch Kranken, ist sie seit November 2017 an der Uni Wuppertal angestellt. Wie Schanetzky, hat auch Jennifer Abels „erst“ mit 25 Jahren angefangen, zu studieren. Abels absolvierte ein Magisterstudium in den Fächern Germanistik, Psychologie sowie Kunst und Design. Zuvor war sie Notarfachangestellte und nach Studienabschluss zehn Jahre im Bereich Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit selbstständig. „Mich reizt an meiner neuen Stelle, dass ich eine Position einnehme, in der ich Menschen dort helfen kann, wo ich mir früher selbst Hilfe gewünscht hätte.“ Beide können sich angesichts ihres eigenen Lebenslaufes gut in die Lage der Studierenden hineinversetzen, die sich die Frage stellen: „Wie geht es jetzt weiter und wo soll es hingehen?“

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„Zweifel ist Denken und Denken ist gut!“

Ihre Empathie wirke sehr beruhigend auf Studierende, die „mit einem Tunnelblick hierhin kommen und das Untergangsszenario vor Augen haben, weil sie erneut durch eine Prüfung gefallen sind“, führt Schanetzky aus. Manche müssen lediglich „angeschubst“ werden, wie Abels erklärt: „Da hilft schon der Hinweis auf die ‚Mathewerkstatt‘, die Schreibwerkstätten, die Studienfachberater oder auf die allgemeinen ZSB-Workshops, beispielsweise zur Studienorganisation.“ Andere müssen auf veränderte Lebensumstände reagieren, zum Beispiel, wenn das LehrerInnen-Dasein doch nicht das ‚Richtige‘ ist, zum Studium die generelle Berufsperspektive fehlt oder Nachwuchs die Studienplanung durcheinanderwirbelt. „Hier schauen wir gemeinsam, welche Möglichkeiten es gibt und auch, ob eine Ausbildung eine gangbare Alternative ist“, so Abels. Neben uni-internen Institutionen, wie beispielsweise dem Career Service, der Kontakte zu Arbeitgebern und ein eigenes Jobportal pflegt, wird auch mit Externen zusammengearbeitet, so etwa mit der Agentur für Arbeit, der Industrie- und Handelskammer, der Handwerks-Kammer und der Vereinigung Bergischer Unternehmerverbände.

„Wichtig ist, dass sich die Studierenden bewusst werden, dass es kein Makel ist, sich frühzeitig Hilfe zu suchen“, betont Abels. Schanetzky ergänzt: „Zweifel ist Denken und Denken ist gut!“ Beide unterstreichen, dass vertraulich und ergebnisoffen beraten werde. Um die Hemmschwelle auf Seiten der Studierenden zu senken, plant „bergauf“ eine umfangreiche Kampagne, zu der eine Informationsveranstaltung am 7. November 2018 gehört. In Hörsaal 16 (Gebäude O, Ebene 06, Raum 06) können Studierende zwischen 12 und 14 Uhr das gesamte Beratungsangebot kennen lernen. Zudem können sie Jennifer Abels und Katja Schanetzky direkt in einer der offenen Sprechstunden aufsuchen. »mw«

Dieser Artikel erschien auch in der Ausgabe der Westdeutschen Zeitung vom 6. November 2018.

Bergische Universität Wuppertal
Zentrale Studienberatung: Projekt „bergauf!“

Ansprechpartnerinnen:
Katja Schanetzky und Jennifer Abels

Offene Sprechstunde:

  • Dienstag: 13:30 bis 14:30 Uhr
  • Freitag: 10 bis 11 Uhr

Campus Grifflenberg:

  • Gaußstraße 20, 42119 Wuppertal
  • Gebäude B, Ebene 05, Raum 01a (B.05.01a)

Sprechstunde der Agentur für Arbeit:
Seit dem 5. Oktober, alle zwei Wochen, freitags von 10 bis 12 Uhr in den Räumen der Zentralen Studienberatung (ZSB).

Kontaktdaten:

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