Digital oder Präsenz: Streit um Prüfungen an der Wuppertaler Universität

Rund 40.000 Prüfungen müssen zum Semesterende an der Bergischen Universität organisiert werden. Angesichts der Pandemie fragen sich die Studierenden: Wann schreibe ich und findet die Prüfung digital oder vor Ort statt? In einem YouTube-Livestream bemühte sich die Hochschulleitung um Aufklärung.

Knapp 1.800 Zuschauer/-innen verfolgten am Donnerstag (4. Februar 2021) auf YouTube, wie Rektor Prof. Dr. Lambert T. Koch gemeinsam mit weiteren Hochschulverantwortlichen über die anstehende Prüfungsphase diskutierte. Vorausgegangen war eine kontrovers geführte Debatte über die Prüfungsform. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA), die Studierendenvertretung an der Bergischen Universität, spricht sich „gegen geplante Klausuren aus, die (…) in Präsenz geschrieben werden sollen.“ Eine dazugehörige Online-Petition sammelte bisher fast 2.500 Unterschriften – eine Gegenpetition bislang knapp 100. Rektor Koch sprach auf YouTube hingegen von einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Gegner/-innen und Befürworter/-innen von Präsenzprüfungen und wies auf eine mittlerweile nicht mehr abrufbare Umfrage auf der Plattform StudyDrive hin. In der kürzlich veröffentlichten Nachlese zum YouTube-Stream heißt es: „Gleichwohl erreichen die Hochschulleitung und die Dekane auch zahlreiche Rückmeldungen von Studierenden, die sich explizit für die Durchführung von Präsenzklausuren aussprechen.“

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AStA: Wahl zwischen „Gesundheit oder Leistungspunkte“

AStA-Vorsitz Soufian Goudi (Jusos) fordert indes: „Es kann nicht sein, dass Studierende vor die Wahl gestellt werden, ihre Sicherheit oder den Zeitplan ihres Studiums zu opfern: Gesundheit oder Leistungspunkte.“ Die Hochschule entgegnet dem, „bei allen Entscheidungen die Gesundheit der Studierenden zu schützen und ihnen zugleich ein Fortkommen im Studium, möglichst ohne Zeitverlust“ ermöglichen zu wollen, wie eine Uni-Sprecherin auf Nachfrage unserer Redaktion ausführt und auf „ein unterdurchschnittlich geringes Infektionsgeschehen“ an der Universität hinweist.

Fächer gehen unterschiedlich mit Prüfungen um

Wie und wann Prüfungen stattfinden, entscheiden die einzelnen Fächer. Maßgaben seien u.a., ob die Form „im Sinne der Gleichbehandlung angemessen und für die Lernzielerreichungsüberprüfung praktikabel ist“. Das Fach Geschichte hat verkündet, keine Klausuren in Präsenz durchzuführen und Alternativen anzubieten. Der Prüfungsausschuss der Fakultät Wirtschaftswissenschaft hingegen beschloss einstimmig Präsenzklausuren. Die Psychologie hat – nach einem „Hin und Her“ – ihre Prüfungen verschoben: Die Verlegung von Februar auf April wurde kurzzeitig widerrufen. Studierende protestierten wegen der kürzeren Vorbereitungszeit. Eine „Kommunikationspanne“ versichert die Uni-Pressestelle. „Die Prüfungen (…) finden am ursprünglich geplanten Termin statt“ – also im April.

Universität: „Die ursprüngliche Präsenzplanung” wurde “massiv reduziert”

Die studentische Senatorin Julia Schnäbelin, die am YouTube-Stream teilnahm, sieht nicht nur das Infektionsrisiko vor Ort, sondern auch den Faktor Pendler-Uni: „Die Studierenden reisen von ganz NRW an und können so das Virus verbreiten.“ Dr. Simon Görtz, Leiter des Uni-Dezernates Studium, Lehre und Qualitätsmanagement, führte während des Streams das Hygienekonzept (z. B. Maskenpflicht am Sitzplatz) der Universität aus. Laut ihm würde das bisherige Infektionsgeschehen an der Uni zeigen, dass es „nicht in Klausuren oder Veranstaltungen passiert ist, sondern bei Begegnungen, die davor oder danach liegen“ und appelliert: „Die Hygienemaßnahme beginnt ab zu Hause.“ Zudem ist mit den Stadtwerken vereinbart worden, dass zu den Klausurzeiten mehr Busse fahren. Prorektor Prof. Dr. Andreas Frommer ergänzte im Stream, dass von den knapp 40.000 Prüfungen „knapp unter 10.000“ als E-Klausuren zu Hause geplant sind. Dazu kämen noch weitere alternative Prüfungsformate, wodurch „die ursprüngliche Präsenzplanung massiv reduziert“ wurde.

Die Diskussion um Präsenzprüfungen findet nicht nur an der Bergischen Universität Wuppertal statt. Medien berichten über ähnliche Debatten zwischen Studierenden und Hochschulleitungen etwa in Gießen und an den Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern. Die Tagesschau hat das Thema in einer Instagram-Livestory aufgegriffen.
»mw, jr & sg«

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