Die hässlichste Uni Deutschlands? Das sagen Wuppertaler Studierende

Das Magazin Vice hat den Titel "Hässlichste Universität Deutschlands" nach Wuppertal gegeben.

Herbst an der Bergischen Universität © vk

Persönlich scheint die Vice-Redaktion nicht vor Ort gewesen zu sein, sie beziehen sich in ihrem Beitrag aufs Internet. „Bei den meisten Unis ist es ja (…) so, dass sie bei der Google-Bildersuche irgendein passables Gebäude vorschicken, damit ihr wahres Wesen nicht gleich auffällt“, schreibt Vice in seiner Wertung und führt aus: „An dieser Stelle muss man die Bergische Universität Wuppertal wirklich loben, denn sie gibt sich nie als etwas aus, was sie nicht ist.“ In den Augen des Magazins heißt das: „Dieses Ungetüm aus Beton ist realer als ein Einkauf bei Real und ehrlicher als die Ehrlich Brothers.“

Der Bau der Uni – das Skelett eines der ersten Gebäude © HOCHTIEF AG

Die Bergische Universität Wuppertal: Ein Bau aus den 70er Jahren

Historische Gebäude, wie die Westfälische Wilhelms-Universität Münster oder die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, hat die Uni Wuppertal nicht zu bieten. Sie wurde aber auch erst 1972 – damals als Gesamthochschule, gemeinsam mit Duisburg, Essen, Siegen und Paderborn – gegründet. Alle baute das Land NRW nach einem Baukasten-Prinzip. Die Bildersuche diverser Suchmaschinen liefert den Beweis dafür. Grob wird zwischen „Erschließungseinheiten“ (die „Türme“) und „Nutzungseinheiten“ (die jeweiligen Gebäude) differenziert. Dieser modulare und standardisierte Aufbau entsprach der Anforderung, flexibel einsetz- und erweiterbar zu sein.

Hörsaal 33 in Gebäude K.

Ist funktional zugleich hässlich?

Seit 1972 hat sich viel getan. Das Hörsaalzentrum K mit einem rund 800 Plätze großen Hörsaal, das Rektoratsgebäude, der Ersatzneubau V-W und der Anbau an die Universitätsbibliothek sind hinzugekommen. Den Campus Freudenberg hat die Hochschule erst 1994 erworben. Zuvor war dort die Generaloberst-Hoepner-Kaserne.

Das Lern-„Ufo“ der Universitätsbibliothek

Doch was sagen Wuppertaler Studierende, die fast täglich und über viele Jahre hinweg die Universität besuchen, zur „Vice-Auszeichnung“?

Lehramtsstudentin Cilia Rücker (22) ist gänzlich anderer Meinung: „Neben den wunderschönen Neubauten haben auch die nicht frisch renovierten Gebäude ihren ganz eigenen Charme. Wer schon früh morgens oder noch spät abends fleißig ist, wird mit einem Ausblick auf die stilvolle Lichtinstallation MetaLicht des Künstlers Mischa Kuball belohnt.“ Tagsüber empfiehlt sie den Flügelhügel, auf dem Studierende sich „im Sommer sonnen und im Winter Schlitten fahren können.“

Eine ehemalige Studentin der Fächer Anglistik und Romanistik bringt einen anderen Kritikpunkt vor: „Nach einem mehrjährigen Studium und geschätzt Hunderten von Euro an Fernleihgebühren vertrete ich die Ansicht, dass die Ausstattung der Uni-Bibliothek nicht dem neusten Stand entspricht, die Gebäude aber nicht so fürchterlich sind, wie in dem Artikel dargestellt.“

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Studierende schätzen die Aussicht

„Die Architektur der Wuppertaler Uni ist wie ein französischer Weichkäse. Wer den Kühlschrank öffnet, denkt erstmal ‚bah!‘. Wer ihn probiert, merkt, dass es sich um eine besondere Delikatesse handelt. Dass man den Geschmack dann zu schätzen weiß, kann aber ein bisschen dauern“, sagt Kunststudentin Philine Halstenbach (29), die verstehen kann, dass Externe schnell zu einem ähnlichen Urteil wie die Autoren des Vice-Artikels kommen. „Dabei ist der 70er-Jahre-Brutalismus eine spannende Architektur. Was mich wirklich stört, ist die Farbkombination der roten Pflastersteine mit dem satten Uni-Grün – das beißt sich total und ruiniert den eigentlich schönen Anblick der Gebäude!“

„Wuppertal tut sich nicht viel im Vergleich zu den anderen Unis, wie in Essen oder Bochum. Das, was hässlich ist, sind die Unübersichtlichkeit und die vielen Treppen. Ansonsten kann man wegen der tollen Aussicht und der fehlenden ‚schönen‘ Vergleichsmöglichkeiten um uns herum in NRW nicht viel meckern“, sagt uns eine 29-jährige ehemalige Studentin der Editions- und Dokumentwissenschaft.

Ein Turm der Bergischen Universität Wuppertal

Übrigens: Am Campus Grifflenberg werden die Bestandsgebäude im laufenden Betrieb saniert, was bis in die 2030er Jahre dauern soll. Eine Musterfassade ist gegenüber dem Haupteingang der Universitätsbibliothek ausgestellt. »at & mw«

So viel hat die Bergische Universität gekostet

Die Baukosten der Bergischen Universität bzw. der Gesamthochschule Wuppertal beliefen sich 1972 auf 270 Millionen D-Mark. Gebaut wurde sie für 6.600 Studierende (heute: ca. 23.000). „Die Stadtuniversität auf dem ‚Montmartre‘ Wuppertals ist offen für alle Bürger, eine Universität ohne Zäune, eingebettet in die hügelige Landschaft des Bergischen Landes“, schrieb das Presseamt der Stadt in der 1974 erschienenen Broschüre „Was haben wir von der Bergischen Universität?“

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